Budo – Ein Relikt der Vergangenheit?

Patrick MüskerKarate Mastery, Off topic, Uncategorized0 Comments

Budo – Ein Relikt der Vergangenheit?

(for English version see below)

Schneller, besser, stärker – Werte, die unsere moderne Gesellschaft auszeichnen. Ich behaupte, dass Kampfkünste von diesem Phänomen nicht verschont geblieben sind und so die Tore für moderne Kampfsportarten wie dem populären MMA öffnete. Eine Form, die die effektivsten Techniken aus verschiedenen Kampfkünsten in sich vereint. Das Ziel sind Ruhm, der sportliche und sicher nicht selten auch der finanzielle Erfolg. Doch was ist mit den Werten traditioneller Kampfkünste wie dem Budo? Existieren diese noch oder sind sie mit dem Aufstieg populärer Kampfsportarten zu Schatten der Vergangenheit geworden?

An dieser Stelle soll gar nicht der Eindruck entstehen, dass Kampfsport der falsche „Weg“ ist. Doch scheint das Bewusstsein des ursprünglichen und weniger „coolen“ Do zu einer blassen Erinnerung geworden zu sein. Vielleicht hat die Existenz das ein oder andere Bewusstsein der gegenwärtigen jungen Generation auch nie erreicht, wenn man den ein oder anderen jungen Kampfsportler reden hört.

Budo – Der Weg des Krieges

Budo bedeutet im japanischen „Der Weg des Krieges“ 武道 und ist der Oberbegriff aller traditionellen japanischen Kampfkünste. Darunter fallen Künste wie Karate, Aikido, Kyudo, Judo und viele weitere. Das japanische Kanji Bu bedeutet Krieg, Militär und Kampf. Es verkörpert die physische Komponente der Kampfkünste, die Fertigkeiten und das kriegerische Geschick. Das japanische Schriftzeichen Do ist mit „Weg“ zu übersetzen und ergänzt die erste Komponente um ein wichtiges und wertvolles Element. Es steht für die innere Einstellung und charakterliche Entwicklung des Lernenden.

Folglich steckt in den japanischen Kampfkünste eine gewichtige philosophische Komponente, die das Handeln des Ausübenden in den Mittelpunkt stellt. Das Ergebnis rückt dabei, anders als im Sport, in den Hintergrund und verliert an Bedeutung. Unweigerlich einhergehend und ebenso im Bushido „Der Weg des Kriegers“ 武士道 werden moralische Prinzipien, Etikette, Selbstbeherrschung, Selbstkontrolle und die Selbstverwirklichung zur lebenslangen Zielsetzung. Kann demnach überhaupt von Budo im Kampfsport gesprochen werden?

Budo vs. Kampfsport

Aufgrund der unterschiedlichen Zielausrichtung von Budo und Sport, sind diese unterschiedlich von einander zu betrachten. Budo existiert im Kampfsport demnach nicht. Gewinnen ist das Ziel des Kampfsports, ein Grund für das harte physische Training. Das Prinzip lautet hier „Besser sein als der andere“ und das Ergebnis steht im Vordergrund. Das vom Budo fokussierte Handeln hingegen ist nach innen gerichtet. Folglich darf man behaupten, dass der Begriff Budo-Sport ein Paradoxon darstellt.

Erfolg und Tugend

In der heutigen Zeit lässt sich unter Umständen gutes Geld mit Kampfsport verdienen. Ein Paradebeispiel sind die für den Sportler und Veranstalter höchst rentablen MMA-Kämpfe. Athleten haben hier die Möglichkeit, mit hartem Training schneller, besser und stärker zu werden und sich auf diese Weise eine glorreiche Zukunft aufzubauen. Schneller, besser, stärker – physisch ja. Doch wie sieht es mit dem Geist und den inneren Werten aus? Es handelt sich um vorherrschende Werte unserer Kultur, die einem das Gefühl von Überlegenheit geben. Doch gleichzeitig verlassen die Athleten den Weg der Tugenden und eigenen Selbstvervollkommnung…sofern sie diesen je beschritten haben.

Wo ist der Ruhm im Alter, dann wenn die sportliche Karriere vorbei ist? Was nicht vergessen werden sollte ist, dass die Kampfkünste auch den eigenen Geist und Charakter formen sollen. Fairness, Verantwortungsbewusstsein, rationale Selbsteinschätzung und Selbstbeherrschung sind nur einige Werte des Budo, die sich auf alle Lebensbereiche erstrecken. Meistert man sich selber, kann man auch alles andere im Leben meistern. Gleichzeitig entsteht ein inneres Gleichgewicht wie auch eine Genugtuung, wenn man sich in verschiedenen Lebenssituationen an die inneren Werte besinnt. Ganz besonders dann, wenn man im Guten handelt, charakterliche Schwächen überwunden oder anderen Menschen geholfen hat. Und dieses Gefühl können wir ein Leben lang in uns tragen.

Eure Meinung

Was ist mit euch? Seid ihr eher Kampfsportler oder Kampfkünstler? Ist Budo für euch ein Thema? Hinterlasst euren Kommentar unter dem Artikel und teilt uns eure Gedanken zu diesem Thema mit!

„Ritterlichkeit ist eine Blume, die auf dem Boden Japans nicht weniger heimisch ist als ihr Symbol, die Kirschblüte. Sie ist kein vertrocknetes Blatt einer uralten Tugend, die im Herbarium unserer Geschichte verwahrt wird, sondern ein lebendiges Etwas von Schönheit und Macht, das unter uns weilt.“
Inazo Nitobe; „Bushido – Der Ehrenkodex der Samurai“; Anaconda Verlag GmbH, Köln; 2006.

Budo – A relic of the past?

Faster, better, stronger – values ​​that characterize our modern society. I claim that martial arts have not been spared from this phenomenon, opening the door to modern martial arts such as the popular MMA. A form that combines the most effective techniques of different martial arts. The goal is fame, the sporting and certainly not infrequently the financial success. But what about the values ​​of traditional martial arts like Budo? Do these still exist or have they become shadows of the past with the rise of popular sport martial arts?

At this point I do not want to give the impression that martial arts as sport is the wrong „way“. But the awareness of the original and less „cool“ Do seems to have become a pale memory. Maybe the existence has never reached the one or the other consciousness of the present young generation, if you listen to the one or other young martial artist talking.

Budo – The way of war

Budo means in Japanese „The way of war“ 武 道 and is the generic term of all traditional Japanese martial arts. These include arts such as karate, aikido, kyudo, judo and many more. The Japanese Kanji Bu means war, military and combat. It embodies the physical component of the martial arts, the skills and the martial skill. The Japanese character Do has to be translated as „way“ and complements the first component with an important and valuable element. It stands for the learner’s inner attitude and character development.

Consequently, there is an important philosophical component in Japanese martial arts that focuses on the action of the practitioner. The result moves, unlike in sports, in the background and loses importance. Inevitably, and also in the Bushido „The Way of the Warrior“ moral moral principles, etiquette, self-control, self-control and self-realization become lifelong goals. So are we even allowed to speak of Budo in martial arts?

Budo vs. sports

Due to the different targeting of budo and sport, these are to be regarded differently from each other. Budo does not exist in martial arts. Winning is the goal of martial arts, a reason for the hard physical training. The principle here is „to be better than the other“ and the result is in the foreground. Budo-focused action, on the other hand, is inward. Consequently, it may be said that the term Budo-Sport is a paradox.

Success and virtue

In today’s world, you can potentially earn good money with martial arts as sport. A prime example is the highly profitable MMA fights for the athlete and organizer. Athletes have the goal to become faster, better and stronger with hard training and build a glorious future in this way. Faster, better, stronger – physically yes. But what about the spirit and the inner values? These are the predominant values ​​of our culture that give you the feeling of superiority. But at the same time the athletes leave the path of virtues and self-perfection … if they have ever trodden.

Where is the glory in old age, when the athletic career is over? What should not be forgotten is that the martial arts should also form your own mind and character. Fairness, a sense of responsibility, rational self-assessment and self-restraint are just a few values ​​of budo that extend to all areas of life. If you master yourself, you can master everything else in your life. At the same time, an inner equilibrium arises, as well as a satisfaction, when one reflects on the inner values ​​in different life situations. Especially when you are doing good, overcoming personality weaknesses or helping other people. And we can carry this feeling in us for a lifetime.What’s about you? Are you doing martial arts and is Budo an issue for you?

Your opinion

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„Chivalry is a flower no less native to the soil of Japan than its symbol, the cherry blossom. It is not a withered leaf of an ancient virtue, kept in the herbarium of our history, but a living thing of beauty and power that dwells among us.“
Inazo Nitobe; „Bushido – The code of honor of the samurai“; Anaconda Verlag GmbH, Cologne; 2006.

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