Karate in Japan


 

Karate (jap. 空手, dt. „leere Hand“)


Die Geschichte des Karate reicht zurück bis in das 19. Jahrhundert. Die Kampfkunst entstand damals auf der Insel Okinawa, als die einheimischen Bauern durch das damalige vom König verordnete Waffenverbot aus der Not heraus aus Alltagsgegenständen Waffen entwickelten mussten. Falls mal der der Fall eintrat, dass sie während eines Kampfes diese Waffen verloren haben, so kämpften die Okinawaner ohne sie weiter und es entstand mit der Zeit das, was wir heute als Karate kennen.

Ab 1902 wurde das Verbot, Kampfkünste zu trainieren schließlich wieder aufgehoben. Ab dieser Zeit begann Gichin Funakoshi die Kampfkunst (damals noch Te, also „Hand“ genannt) zu strukturieren und zu systematisieren. Anschließend benannte er die Kampfkunst in Karate („leere Hand“) um und brachte sie nach Japan, wo man sie bis heute überall vorfinden kann.

Die vier großen Stilrichtungen des Karate:

1. Shotokan: „Shoto“ bedeutet auf Deutsch Kiefernrauschen und „Kan“ Haus oder Halle. Die Begründer dieser Stilrichtung waren Gichin Funakoshi und sein Sohn Yoshitaka Funakoshi. Funakoshis Karatestil erhielt diesen Namen durch das gleichnamige Dojo, welches 1939 in Mejiro eröffnet wurde. Shotokan ist weltweit der am meisten praktizierte Karatestil. Die tiefen, langen Stände – die den Karateka stabil stehen lassen – und die kraftvollen Fauststöße sind für das Shotokan Karate kennzeichnend.

2. Goju-Ryu: Bedeutet wörtlich „hart-weich Schule“ und wurde von Chojun Miyagi begründet. Miyagi studierte erst das chinesische Boxen und Pa Kua Chan woraus er schließlich seine eigene Stilrichtung entwickelte. Im Goju-Ryu Karate sieht man die chinesischen Einflüsse noch am deutlichsten. Kennzeichnend für diesen Stil sind eher kurze Stände, runde und weiche Abwehrtechniken, aber trotzdem kraftvolle Konter im Nahkampf.

3. Shito Ryu: Wurde von Kenwa Mabuni begründet. Das Shito-Ryu Karate kann als eine Art Mischung aus den Stilen Shorin-Ryu, Shotokan, Uechi-Ryu und Goju-Ryu bezeichnet werden. Es besitzt einerseits tiefe Stände, ähnlich wie die aus dem Shotokan Karate aber auch die aus dem Goju-Ryu typischen „hart-weich“ Merkmale.

4. Wado-Ryu: bedeutet übersetzt „der Weg des Friedens“ und wurde von Hironori Otsuka begründet. Otsuka entwickelte seinen Stil, indem er seine Erfahrungen aus dem Shotokan Karate mit Ju-Jutsu kombinierte. Wobei der Fokus aber eindeutig mehr auf Techniken aus dem Ju-Jutsu liegt.

Dōjōkun (jap. 道場訓, Regeln für das Training der Kampfkünste)

  1. Es ist eine Pflicht, nach der Perfektion des Charakters zu streben.
    一、人格完成に努むること
    hitotsu, jinkaku kansei ni tsutomuru koto
  2. Folge dem Ideal der Wahrheit.
    一、誠の道を守ること
    hitotsu, makoto no michi o mamoru koto
  3. Mühe Dich, Deinen Geist zu kultivieren.
    一、努力の精神を養うこと
    hitotsu, doryoku no seishin o yashinau koto
  4. Achte die Regeln der Etikette.
    一、礼儀を重んずること
    hitotsu, reigi o omonzuru koto
  5. Hüte Dich vor ungestümem Übermut.
    一、血気の勇を戒むること
    hitotsu, kekki no yū o imashimuru koto

 

Dojo Etikette

Zur Karate-Etikette gehören kurz zusammengefasst Dinge wie das das tragen eines stets sauberen Gis, die traditionelle Meditation vor und nach jedem Training, das respektvolle Angrüßen der Trainingspartner, der Trainer und des Shomen (Vorderseite des Dojos, wo sich meist ein Buddhaaltar und die Porträts der Karategroßmeister befinden), das tragen der korrekten Gürtelfarbe je nach Graduierung und die 20 Regeln des Gichin Funakoshi, die auf das oben genannte Dojo-Kun basieren und mittlerweile in fast allen Stilen gelten.

Das Training

*Tradition des okinawanischen Karate (gilt – zumindest im Westen – als nahezu verschollen): das Hojo undo, also ergänzende Übungen zur Kraftentfaltung und Konditionierung eines Karateka. Es werden selbst gebaute Trainingsgeräte aus überwiegend natürlichen Materialien wie z.B. Bambus, Steinen, Eisen etc eingesetzt.

– Diese Trainingsgeräte teilt man in zwei Kategorien:

a) Trainingsgeräte für die Kraftentwicklung: Chi ishi, nigiri game, tetsu geta, tan, ishi sashi und makiage kigu.

b) Geräte zur Konditionierung: Makiwara, tou, kongoken und jari bako.

*Kihon: bedeutet auf Deutsch „Grundlage“. Wenn man im Karate Kihon trainiert, bedeutet dies, dass man einzelne Techniken herunterbricht und diese im Training im Fokus stehen. Wie zum Beispiel einzelne Schläge, Tritte und so weiter. Diese Techniken werden im Stand trainiert, meist in Gruppen zusammen und vor einem großen Spiegel, um sich selbst korrigieren zu können.

Kihon bildet das Fundament des Karate, auf dem alle weiteren Trainingsmethoden aufbauen.
Diese einzelnen Techniken bilden zwar „nur“ die Grundlage, werden aber trotzdem im Laufe der ganzen Karatelaufbahn von allen immer wieder trainiert. Egal ob Weiß- oder Schwarzgurt.

Kihon-Ido: ist die „Grundschule in Bewegung“, also eine Erweiterung des Kihon. Im Kihon-Ido werden einzelne Techniken beim vortwärts gehen geübt. Es wird die Koordination des Karateka geschult und man versucht Technik mit korrektem Stand und der korrekten Atmung beim vorwärts gehen zu synchronisieren.

*Kata: bedeutet „Form“ und ist eine festgelegte Folge von Abwehr- und Kontertechniken, die vom Karateka einstudiert und immer wieder geübt werden, bis sie in Fleisch und Blut über gehen. Das Ziel ist, dass diese Bewegungen von den Muskeln „gespeichert“ werden und der/die Karateka diese Techniken ohne langes Überlegen aus diesem Muskelgedächtnis jeder Zeit abrufen können. Des weiteren wird hier alles bisher gelernte aus Kihon und Kihon-Ido oft nochmal zusammengefasst und vertieft.

*Kata Bunkai: ist die Analyse und Zerlegung der Kata, wo Techniken heruntergebrochen und interpretiert werden.

Oyo: bedeutet „Anwendung“ dieser Techniken aus der Kata. Es handelt sich um individuelle Interpretationen einer Kata. Man kann also sagen, dass ine Kata eine Art offenes Textbuch ist, in dem jeder lesen und etwas anderes interpretieren kann.

Henka: ist eine „Variation“ – eine Kata sieht nie gleich aus. Jeder gibt seinen „Senf“ dazu und jeder bewegt sich anders, so wie jeder Körper anders aufgebaut ist. Daher ist es nur natürlich, dass eine Kata bei jedem anders aussieht. Henka ist also die individuelle Akzentuierung, die ein Karateka einer Kata verleiht.

Kakushi: Japanisch für „versteckt“. Eine Kata enthält immer offensichtlich enthaltene Techniken, die Omote genannt werden und versteckte Techniken, die okuden genannt werden. Kakushi beschäftigt sich mit den versteckten Techniken innerhalb einer Kata. Kakushi wird in traditionellen Dojos erst ab dem 4. Dan vermittelt, da ein Karateka erst dann als „technischer Experte“ gilt. Eine Einweisung in diese Techniken ist immer nötig, da sie sich einem Betrachter oder Praktizierenden von alleine nicht erschließen können.

*Kumite: Partnerübungen

Yakusoku kumite: ist eine Art abgesprochene Partnerübung. Es werden von beiden Karateka eine Reihe festgelegter Abwehr und Verteidigungstechniken einstudiert und immer wieder am Partner geübt. Diese ist die erste Stufe der Partnerübung. Hier bekommen Karateka das erste Gespür für Distanz, Kraft und Körperkontakt vermittelt.

Jiyu Kumite: ist „freieres Kumite“ hier werden Angriff und Verteidigung frei gewählt, oft ohne Ansage. Hier werden Reaktion und erste Spontaneität der Karateka trainiert, um sie Stück für Stück an den späteren Freikampf zu führen.

Randori: bedeutet „freies Üben“. Randori ist dafür da, um feineres Gespür für Distanz, Kraft, Selbstverteidigung und spätere Freikämpfe zu entwickeln. Es ist eine Art lockeres Sparring. Es werden keine Vorgaben gemacht und dem Karateka ist es erlaubt vorsichtig und in einer lockeren Atmopsphäre Experimente am Partner durchzuführen.

Freikampf: der Freikampf ist die letzte Stufe und das Ziel aller vorangehenden Kumiteformen. Achtung: Freikampf bedeutet nicht, dass alles erlaubt ist. Ein Freikampf ist nicht gleichzusetzen mit Straßenkampf und darf immer nur als eine Anlehnung an einen „echten“ Kampf gesehen werden!

*Sonstiges: Tameshiwari, oder auch Bruchtests sind nicht mehr weit verbreitet aber werden vereinzelt noch geübt. Manche Karatestile integrieren auch Kobudo ins Training. Also das Training mit Waffen wie z.B. Bo, Sai, Tonfa etc. Kobudo ist die Kampfkunst der okinawanischen Bauern, aus der sich später das Karate entwickelt hat.

 

 

Im Laufe des nächsten Jahres (2018) werden Infos über Training in Japan, wie man ein Dojo zum trainieren findet etc folgen.