Kata – Die stilisierte Form eines Kampfes

Patrick MüskerJapanese Culture, Karate Mastery0 Comments

Kata – Die stilisierte Form eines Kampfes

In der asiatischen Kultur ist Kampf eine Kunst, die von Werten, Riten und Traditionen durchzogen ist. Dabei ist es vollkommen egal, welches asiatische Land wir in diesem Kontext betrachten. Fast jedes von ihnen besitzt mindestens eine eigene und für das Volk charakteristische Kampfkunst. Auch Japan besitzt eine Vielzahl traditioneller Kriegskünste, die von Generation zu Generation überliefert wurden und auch heute noch praktiziert werden.

Ihnen allen wohnt eine besondere Ästhetik und Körperbeherrschung inne. Das Bewusstsein über die Ausführung der Techniken, ihre Bedeutung und ihre Kontrolle machen das Wissen zu einer Kunst. In den japanischen Kampfkünsten (Budo im Japanischen) wie dem Karate dient die Kata zum Üben, Studieren und Überliefern dieses wertvollen Guts und stellt damit ein unabdingbares Kernelement dar. In der Vergangenheit war Kata die einzige Form des Karate und man benötigte in der Regel drei bis fünf Jahre sie zu erlernen. Im Shotokan-Karate gibt es 25 traditionelle Katas.

Kata und ihre Bedeutung

Kata bedeutet in der japanischen Sprache wörtlich „festgelegte Form“ und ist die stilisierte Form eines Kampfes gegen mehrere imaginäre Gegner. Es gibt sie nicht nur im Karate oder anderen Budokünsten, sondern in allen Formen traditioneller japanischer Kampfkünste. Das gleiche gilt für andere asiatische Kampfkünste wie dem chinesischen Kung-Fu und seinen vielfältigen Formen oder dem koreanischen Tae Kwon Do (hier: 품새pumsae). Streng genommen sind sie die Textbücher dieser Künste und dienen der Überlieferung. Im Karate bildet die Kata neben Kihon (das Üben von Grundschultechniken) und Kumite (Kampf) eine der drei Säulen.

Heute gibt es zahlreiche Literatur zum Thema Kata. Sie dient dem Erlernen der Technikabfolge, ersetzt aber keine Unterweisung durch einen Meister.

Katas stellen ein Training für Körper und Geist gleichermaßen dar. Zum einen sind sie ideal zum Durchtrainieren des ganzen Körpers, weil sie alle Karatetechniken in genauer Reihenfolge beinhalten. Zum anderen trainieren sie den Geist des Budokas (der Ausübende einer japanischen Kampfkunst). Kata schult die Beherrschung der Technik und die innere Haltung. Dazu gehören die Atmung, Ruhe, Gelassenheit, Sicherheit, Entschlusskraft, Kampfgeist und Rhythmus. Das Üben von Kata steigert ebenfalls die Koordinations- und Konzentrationsfähigkeit.

Auch Kata ist Kampf

Jede Kata gibt jede Technik und jede Bewegung in einer festgelegten Reihenfolge und Richtung vor. Sie gleichen unveränderbaren Choreografien. In der Regel dienen die japanischen Budokünste niemals dem Angriff, sondern stets der Verteidigung. Deshalb beginnt auch im Karate jede Kata mit einer Abwehrbewegung, die den defensiven Charakter unterstreicht. Der Ablauf einer jeden Kata läuft nach einem bestimmten Schrittdiagramm ab, welches in der japanischen Sprache „Embusen“ heißt. Sie setzt voraus, dass der Karateka am selben Punkt seiner Form beginnt und endet. Das bedarf viel Übung und höchster Konzentration. Zum Schluss muss dem Ausübenden jede Technik und Bewegung in ihrer Bedeutung deutlich sein. Das gilt sowohl für Angriff- als auch Abwehrbewegung.

Heutzutage fällt vielen Menschen das Erlernen von Kata leider sehr schwer. Sie sehen es als eine Pflichtkür an, die sie für ihre Gürtelprüfung auswendig lernen müssen. Diese Einstellung ist grundlegend falsch und identifiziert jeden, der Kata nicht versteht. Schlichtweg handelt es sich nicht um Kata, sondern tatsächlich nur um eine Abfolge von Bewegungen. Kata lebt allerdings erst mit dem, der sie ausübt und die wahre Bedeutung begreift. Deshalb ist es ratsam, Kata in verschiedenen Anwendungsmöglichkeiten mit einem Partner zu üben. Nur so wird Kata mit Leben erfüllt, denn auch Kata ist Kampf!

Techniken der Kata in der Anwendung. Aus: Hirokazu Kanazawa, Shotokan Karate International Kata (Vol. 1) (Japan: 1981).

Zanshin

Für die Ausführung einer Kata sind das Bewusstsein ihrer Techniken und die korrekte Ausführung von höchster Bedeutung. Mit Bewusstsein ist allerdings nicht das auswendig lernen der Techniken gemeint. Diese sollten im Idealfall aus natürlichem Instinkt heraus folgen. Das Bewusstsein steht an dieser Stelle viel mehr für die Fähigkeit, während der Kata seine imaginären Gegner zu „sehen“ und entsprechend zu reagieren. Dieses Bewusstsein und diese Wachsamkeit heißt im Japanischen Zanshin. Zanshin endet erst dort, wenn keine weitere Gefahr mehr droht. Erst dann können sowohl Körper als auch Geist entspannen. Deshalb ist die letzte Technik einer Kata stets die Ausgangsstellung oder Zanshin-Stellung, in der der Karateka nach Ende der Kata einige Sekunden verharrt.

Kata Erlernen und üben

Beim Üben von Karatetechniken und Kata muss man sich vorstellen, dass man bei jeder Technik nur eine Chance hat. Folglich ist das Ziel, den Gegner mit nur einem einzigen Schlag, Stoß oder Tritt auszuschalten. Jede Technik muss die entscheidende Technik sein, was zu einer erhöhten Wachsamkeit – Zanshin – und Ernsthaftigkeit führt. Des Weiteren ist auf die zeitliche Gestaltung wie Rhythmus und Pausen zu achten.

Piktogramm der Kata Heian Nidan. Aus: Albrecht Pflüger, 25 Shotokan-Katas (Niedernhausen: Falken Verlag, 1987).

Die Perfektion von Kata ist ein schwieriges aber nicht unmögliches Unterfangen. Das gilt ebenfalls für die Formen anderer Kampfkünste, die bis zur Vollendung Jahre der Aufmerksamkeit und Ausübung bedürfen. Doch entscheiden sich an dieser Stelle viele für den Weg des Kampfsports und damit, den Weg des Karate, Kung-Fu oder Tae Kwon Do zu verlassen.

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