Nach Thailand auswandern, um Muay Thai zu lernen und zu leben

DaisyThailand, Travel tips0 Comments

Und plötzlich zack.

Du hast nach langem Überlegen einen Entschluss gefasst: du gehst nach Thailand. Du möchstest bei strahlendem Sonnenschein im lauwarmem Meer mit bunten Fischen und Schildkröten schwimmen. Exotische Vögel bei Sonnenaufgang an deinem Fenster vorbeifliegen sehen. Blumenduft einatmen. Immer Sommer haben. Aber vor allem auch eines: authentisches Muay Thai von den Besten der Besten lernen.

Doch was bedeutet das eigentlich? Was genau muss man dafür tun? Hier eine kleine Liste mit den Dingen, die ich tun musste, bevor ich Deutschland den Rücken zugekehrt habe:

In wenigen Schritten Deutschland verlassen

1. (neuen) Reisepass beantragen und Flug buchen

Du solltest auf jeden Fall einen Reisepass besitzen, der entweder neu ist oder noch mindestens ein paar Jahre gültig ist – das ist für dich bequemer. Ist dein Pass nämlich weniger als 6 Monate gültig, bekommst du Schwierigkeiten ein Visum zu beantragen bzw zu verreisen.

Wenn du später in Thailand einen neuen Pass brauchst, gehst du dafür einfach zur deutschen Botschaft in Bangkok.

Dass du, wenn du auswandern willst, einen Flug buchen musst ist offensichtlich und muss wohl nicht weiter erläutert werden. Jedoch lege ich dir folgende Tipps für die Buchung nahe: In die Sonne fliegen ohne Geldsorgen: wie man günstigere Flüge bucht. 

Aus Deutschland abmelden: ja oder nein?

Tipp: solltest du bereits aus Deutschland abgemeldet sein, ist die Beantragung eines Reisepasses bei der deutschen Botschaft günstiger. Außerdem hilft dir eine Abmeldung dabei, all deine bestehenden Verträge außerodentlich zu kündigen.

Falls du dir aber noch nicht sicher bist, ob du dich aus Deutschland abmelden willst oder nicht, kannst du hier einen hilfreichen Artikel von Sebastian Kühn von Wirelesslife lesen.

In dem Artikel werden Themen wie rechtliche Bestimmungen aus dem Meldegesetz, der Unterschied zwischen Melde- und Postadresse, die Konsequenzen einer Abmeldung aus Deutschland und weitere wichtige Punkte behandelt.

2. Visum für Thailand beschaffen

Solltest du vorhaben Englisch- oder Deutschlehrer zu werden, ist es nicht sonderlich schwierig sein für Thailand ein Visum plus Work permit zu bekommen. Oft braucht man nicht mal einen Uniabschluss, sondern nur ein Zertifikat, welches bescheinigt, dass du die Sprache, die du lehren willst auch beherrscht und dir grundlegendes Kenntnisse an die Hand gibt, wie du anderen diese Sprache vermitteln kannst. Hier findest du ein Link zu dem Kurs, der es dir möglich macht ohne Abschluss in Thailand und an anderen Orten der Welt Englisch zu unterrichten: TEFL Thailand – 4 Week Training and Paid Internships.

Insbesondere Englischlehrer sind in ganz Thailand sehr gefragt. Und das Gute: die Schulen und Sprachschulen erledigen die Visumsangelegenheiten für dich. Weitere Infos zum Thema (auf Englisch) findest du hier.

Alternativen: z.B. Tauchlehrer auf einer schönen Insel wie z.B. Koh Tao werden, oder als Customer Care Representative (Deutsch) in Chiang Mai arbeiten.

Und für ganz Mutige: sich selbstständig machen geht unter bestimmten Voraussetzungen auch! Vielleicht kannst du ja sogar was mit diesen Ideen anfangen und in Thailand durchstarten, wer weiß?

3. Wohin mit der ganzen Post in Deutschland?

 Mit z.B. DHL kannst du dir deine Briefpost für ein halbes Jahr, ein Jahr oder zwei Jahre lang an Eltern oder Freunde oder an eine virtuelle Adresse (z.B. Dropscan) problemlos nachsenden lassen.

Der Spaß kostet dich für 6 Monate 19,90 Euro. Aber achtung! Nachgesendet werden nur Briefe, keine Pakete und der Nachsendeauftrag muss mindestens fünf Werktage im Voraus beantragt werden, am besten noch weiter im Voraus. Ansonsten kann es vorkommen, dass deine Post irgendwo verloren geht.

4. Abgesichert sein: internationale Krankenversicherungen

Auf jeden Fall sinnvoll ist auch eine langfristige internationale Krankenversicherung. Nehmen kannst du z.B. die von der HanseMerkur, die ist – finde ich – zuverlässig und von der Auswahl die ich im Internet gefunden habe bisher sogar die günstigste.

Sie kostet ca. 60 Euro im Monat und gewährleistet bis zu fünf Jahre Schutz im Ausland. Falls du aber nicht vorhast, so lange wegzubleiben, gibt es auch eine Krankenversicherung für bis zu ein Jahr.

5. Die Reisekasse aufüllen: Unnötigen Ballast loswerden

Überlege dir was mit deinen Möbeln und Krimskrams geschehen soll. Ich z.B. habe einfach alles was ich nicht mehr gebraucht habe über eBay und eBay Kleinanzeigen rasch verkauft bekommen und vor der Abreise nochmal ein gutes finanzielles Polster aufgebaut bekommen.

Möbel bekommt man in Thailand in guter Qualität nahezu überall. Es lohnt sich also nicht, den ganzen Hausstand mitzunehmen.

Den Rest habe ich im Koffer (30 kg, mit Emirates) mitgenommen und zusätzlich noch ein paar Kartons mit bis zu 30 kg für ca. 103 Euro mit Tomba nach Thailand schicken lassen.

Und ein paar Sachen habe ich bei Freunden untergestellt, die ich später abholen kann, wenn ich mal wieder in Deutschland bin.

Die Alternative, wenn alles sofort mit muss: Container oder Sammelcontainer buchen. Abhängig davon wieviel man mitnimmt bzw wieviele Quadratmeter man im Container für seine Sachen beanspruchen möchte, kann ein Versand schnell mehrere hundert Euro und darüber hinaus kosten. Die Preise werden individuell erstellt und müssen bei der jeweiligen Firma selbst erfragt werden.

6. Wenn das Haustier mit nach Thailand soll

Wiegt das Tier nicht mehr als 6-8 kg inklusive Transportkorb (je nach Airline) kann es meist problemlos mit in die Flugkabine. Ich z.B. bin mit meiner Katze mit der Lufthansa geflogen und habe zusätzlich nur 70 Euro zahlen müssen.

Wichtig ist, dass das Tier gegen Tollwut und eventuell auch noch andere Krankheiten geimpft, gechipt (kostenlos beim Tierarzt) wird und einen Reisepass – den es auch kostenlos beim Tierarzt gibt – hat. Und es ist notwendig sich immer über die Einfuhrbestimmungen eines jeweiligen Landes auseinander zu setzen – diese variieren von Land zu Land teilweise erheblich.

Hier findest du noch weiter nützliche Tipps für die Reise mit deinem Haustier nach Thailand.

7. Eine Wohnung oder Haus in Thailand beziehen

Ein Haus oder eine Wohnung kannst du bequem von Zuhause im vorab online suchen. Die Suche ist auch über z.B. Facebook sehr unkompliziert und das Angebot ist größer als in Deutschland. Eine Wohnung zu finden gestaltet sich in Thailand also relativ einfach.

Wenn du eine kleine Wohnung (ab 20 Quadratmeter)  in der Innenstadt willst, musst du damit rechnen ab 260 Euro aufwärts im Monat zu zahlen. Möchtest du etwas außerhalb Bangkoks wohnen, kannst du oft auch kleine Häuser mit ca. zwei Zimmern ab 160 Euro aufwärts pro Monat mieten.

Falls du noch nichts finden solltest bzw erstmal einige Besichtigungstermine einplanst, kannst du die Zeit mit Airbnb, couchsurfen und ähnliches noch überbrücken.

Hier findest du eine detailliertere Anleitung (auf Englisch) zum Thema Wohnungen mieten in Bangkok und was man dabei beachten sollte.

8. Ein Thaibox Gym in Thailand finden:

Im Vorab etwas Recherche zum Thema Training in Thailand generell und zu den Muay Thai Gyms zu betreiben ist in jedem Fall sinnvoll und sollte gemacht werden, um im Nachhinein keine bösen Überraschungen zu bekommen.

Auf der Seite www.muaythaicampsinthailand.com findet man einige  der besten Thaiboxcamps in ganz Thailand im Schnellüberblick (auf Englisch) mit den dazugehörigen Preisen und was sonst noch relevant sein könnte.

9. Was man sonst noch gebrauchen kann

9.1. Ein Internationaler Führerschein z.B.

Man bringt seinen Originalführerschein und ein Passbild zur KFZ-Zulassungsstelle mit, zahlt ca. 16 Euro und bekommt den internationalen Führerschein i.d.R. sofort ausgestellt. Dieser ist zusammen mit dem Originalführerschein im Ausland für drei Jahre gültig.

9.2. Falls du etwas Hilfe beim Packen benötigst:  hier eine Packliste, die dir hoffentlich etwas Arbeit abnimmt und dir ein ungefähres Gefühl dafür gibt, was du in Thailand gebrauchen kannst und was eher nicht.

9.3. Du bist immer noch nicht überzeugt und brauchst weitere Gründe, weshalb du nach Thailand gehen solltest? Dann lies gerne hier weiter: Thailand für die Seele: 7 Gründe, alles zurückzulassen und herzukommen.

Alles zurücklassen und etwas Neues anfagen – so fühlt es sich an, so kann man damit umgehen

Ich sag es am besten gleich: die ersten 6-7 Monate in Thailandwaren zumindest für mich relativ hart. Ich konnte plötzlich nicht mehr rausgehen und in meinem Lieblingscafé meine Lieblingszeitung einfach mal so lesen. Ich konnte nicht mehr mal eben meine beste Freundin besuchen. Ich konnte nicht mehr einfach mal komplett ohne fremde Hilfe ganz normale alltägliche Dinge tun wie zum Beispiel Formulare ausfüllen. Da war plötzlich eine Sprachbarriere. Und sowieso war ganz schnell alles auf einmal sehr ungewohnt.

Und auch wenn ich schon seit vielen Jahren jedes Jahr in Thailand zu Besuch war, war es doch ein großer Unterschied hier plötzlich meinen Lebensmittelpunkt zu haben. Und sich an neue Umstände zu gewöhnen dauert.

Der Alltag gestaltet sich sehr anders als in Deutschland. Es gibt keine pünktlichen Busse, in Bangkok und vielen anderen Städten ist jeden Tag massiv Stau. Im  Hochsommer wird es oft so heiß, dass man sein Essen auf dem Asphalt braten kann. Und plötzlich viele ungewohnte Freiheiten zu haben, kann am Anfang etwas erdrückend sein.

Am besten man plant den Kulturschock also einfach gleich mit ein und ist von Anfang an darauf vorbereitet, denn er ist tatsächlich mehr oder weniger unvermeidbar. Und wie man damit umgeht? Die ersten Monate fest die Zähne zusammenbeißen. Vielleicht etwas herumfluchen und einfach darauf warten, dass man sich so schnell wie möglich akklimatisiert. Geduld haben, viel mehr kann man tatsächlich nicht tun.

Da aber viele Thais recht verständnisvoll sind und einem in der Regel mit großer Hilfsbereitschaft gerne beiseite stehen, wird vieles im Alltag auf Anhieb leichter. Man darf sich nur nicht scheuen, um Hilfe zu bitten. Erstens kommt man dadurch viel schneller voran und ein positiver Nebeneffekt ist, dass man automatisch schneller neue Freundschaften schließt.

In Thailand Anschluss finden

Tipp: Es gibt online ein großes Angebot an Expatgruppen, denen man fast immer kostenlos beitreten kann. z.B. kann man sich als deutschsprachige Frau mit Hilfe der engagierten Mädels aus Drehscheibe in Bangkok schnell zurechtfinden oder man sucht auf Facebook nach Expatgruppen. Diese sind besonders empfehlenstwert, da sie am aktivsten sind und man auf vielfältige Fragen auch eine schnelle Antwort bekommt.

…Und sollte man letztendlich doch merken, dass Thailand doch nichts für einen ist, dann kann man immer noch lieber getrost mit einer Erfahrung mehr und einer neuen Perspektive in Betracht auf die Stärken des eigenen Landes nach Hause zurückkehren.

Lieber das, als es nicht probiert zu haben. Oder?

 

Der berüchtigte Kulturschock und seine fünf Phasen

 

Phase 1: Die Phase wo alles „toll und großartig“ ist.

In dieser Phase hat man für gewöhnlich die rosarote Brille auf und findet Land, Leute und alles drumherum toll und glaubt im Paradies auf Erden angekommen zu sein. Alles ist schön, es gibt (noch) nichts zu bemeckern…

Phase 2: Die Ankunft im Alltag und die ersten Zeichen von Frustration.

In dieser Phase hat man sich mehr oder weniger in Thailand eingelebt und der erste „Glanz“ lässt langsam nach. Man merkt plötzlich, dass die Einheimischen auch nur mit Wasser kochen und Thailand auch andere Seiten hat. Die erste Kritik an Land und Leute kommt zum Vorschein.

Phase 3: „Die sind doch bekloppt, diese Thais!“

Ist der Höhepunkt des Kulturschocks und somit die anstrengendste Phase. In dieser Phase steht man der fremden Kultur in gewisser Hinsicht mit Ablehnung entgegen und fragt sich manchmal, was man bloß gerade tut und warum. Das ist normal und durchlebt nahezu jeder Expat in Thailand am Anfang.

Wie lange diese Phase andauert, ist jedoch individuell unterschiedlich. Bei mir hat sie – glaube ich – mindestens sieben Monate angehalten und hier und da habe sind für zwischendurch immer wieder kleinere Rückfälle einzuplanen.

Das ist ok, man bleibt eben Deutsch und bringt seine Gewohnheiten – die sehr anders sind – mit. Dass zwei Kulturen bzw Mentalitäten mal kollidieren ist nichts ungewöhnliches und gehört gelegentlich mehr oder weniger dazu – was aber nichts Schlechtes sein muss. Wer Vielfalt will, muss auch gelegentliche Meinungsverschiedenheiten in Kauf nehmen können. Das muss man einfach so hinnehmen, um wirklich glücklich werden zu können.

Phase 4: ist die Phase der beginnenden Akzeptanz.

Hier fängt man an, langsam gelassener zu werden. „So sind sie eben nun mal, die Thais“ denkt man sich vielleicht. Leben und leben lassen.

Phase 5: die Anpassungsphase.

In dieser Phase begreift man die kulturellen Unterschiede zwar immer noch nicht vollständig (tut man übrigens nie), aber beginnt auf jeden Fall sie bewusst anzunehmen. Man beginnt sich hier und da zu integrieren und das „Leben und leben lassen“ langsam bewusster und konsequenter anzuwenden.

Fazit: Thailand hat viele Freiheiten, mit denen mal als Deutscher erstmal klarkommen muss. Man lernt aus dem extremen und für Deutschland typischen „Sicherheitsdenken“ etwas herauszufinden, und mit der Zeit mehr sabai, sabai zu leben. Also in jeder Hinsicht gelassener zu werden.

Thailand ist eben eine andere Welt. Aber wäre dieses Land exakt wie Deutschland, wofür würde man dann wohl noch herkommen wollen, richtig?

 

Das Leben nach dem Kulturschock: in Thailand und bei sich selbst ankommen

Nachdem man den großen Kulturschock erstmal überwunden hat, ergeben sich einem viele neue Möglichkeiten und Sichtweisen. Man ist nicht mehr in seinem „inneren Kampf“ gefangen und der Blick für das Drumherum, das Wesentliche wird wieder klarer.

Man beginnt wieder unvoreingenommener zu sein, von den Einheimischen zu lernen und sie besser zu verstehen. Man lernt seine ersten „Tricks“ und vielleicht sogar die ersten Worte auf Thai. Und zwar nicht irgendwelche Wörter aus einem Buch, sondern „echte“ Wörter. Wörter mit ihren wirklichen Bedeutungen, die sich einem aus einer realen Situation viel besser erschließen und sich ins Gedächtnis einbrennen  als wenn man sie völlig aus dem Kontext gegriffen aus einem leblosen Wörterbuch lernen würde .

Von Menschen wie du und ich aus erster Hand zu lernen ist und bleibt also die beste Wahl, um sich in einer neuen Kultur einzufinden.

Und das wichtigste: durch den Kontakt, den man zu Expats und Locals aufgebaut hat fühlt man sich  fortlaufend viel besser in die thailändische Mentalität hinein – man sollte nicht den Fehler machen, sich aufgrund der anfänglichen Hindernisse zu sehr abzuschotten.

Lässt der „Schock“ erstmal nach, weiß man Thailands Vorteile wieder für sich zu nutzen und wertzuschätzen. Die Thais sind eben wie sie sind, weil sie aufgewachsen sind wie sie nun mal aufgewachsen sind. Genau wie man selbst. Und warum nicht einfach einander annehmen und die Vorteile zweier Kulturen verbinden lernen, statt gegen den Strom anzukämpfen?

Durch gegenseitige Akzeptanz, kann oft Großes entstehen.

…Und hat man all diese Phasen durchlaufen, findet man plötzlich wieder Magie um jede Ecke. Wenn man sich erst einmal wieder von Vorurteilen befreit, sich einen kleinen Ruck gibt. Seinen Blick wieder für die kleinen Dinge des Lebens schärft.

Und lernt man die thailändische Kultur besser kennen, lernt man automatisch auch mehr über das Thaiboxen, das so fest mit ihr verankert ist und aus Thailand nicht wegzudenken ist.

 

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