Training in Thailand: Zwischenstand und Gesamteindruck

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         Phuket Top Team, Phuket 2017

Seit einem Jahr in Thailand – was bisher passiert ist:

Seit einem Jahr in Thailand. Wer hätte gedacht, wie schnell Zeit vergeht. Oder wieviel die Umgewöhnung meinem Körper tatsächlich abverlangt. Vom kühlen Norddeutschland in ein tropisches Land, in dem es nie kalt ist und die Temperaturen das ganze Jahr über mindestens 28-30 Grad betragen und man überwiegend ohne Ventilator oder Klimaanlage (schwierige Klimabedigungen gehören in Thailand zur Abhärtung!) trainiert, hat sich als relativ schwierig erwiesen. Schwieriger als gedacht. Nach anfänglichem häufig und über mehrere Wochen krank sein und vielem hin und her, komme ich nun aber langsam aber sicher in Thailand an.

Eine geeignete Bleibe ist gefunden worden, ein bzw zwei oder drei Gyms in Aussicht und der Mietvertrag endlich im Kasten. Zwar ist Bangkoks Luft nicht die beste und ich mag mir kaum vorstellen, was sie mit meinen Lungen anstellt, wenn ich mitten in der Stadt draußen trainiere oder joggen gehe, aber das ist das Großstadtleben. Es hat Vor- und Nachteile und man passt sich an.

Hier bin ich also nun, in der millionenpetropole Bangkok. Wo das Leben tobt, alles nach Abenteuer schreit und die Dinge nicht exotischer sein könnten. Und habe die Auswahl zwischen knapp 200 Muay Thai Gyms und noch viel mehr. Erdrückend, ja. Und furchtbar aufregend zugleich.

 

Von guten und schlechten Gyms in Thailand

Ein geeignetes Gym in Thailand zu finden ist gar nicht mal so einfach. Erst recht nicht, seitdem Muay Thai in den letzten Jahren so populär und dementsprechend gut „vermarktbar“ geworden ist. Die traurige Wahrheit ist, dass es tatsächlich kaum noch gute Gyms gibt und die wenigen guten Gyms  – wo man wirklich gefördert wird – muss man natürlich erstmal ausfindig machen. Und das dauert. Lange.

Da ich seit letztes Jahr und zur Zeit immer noch bis Anfang August am Rande Bangkoks wohne (wo übrigens rein gar nichts ist…), habe ich das letzte Jahr hauptsächlich mit hin- und her reisen verbracht, um mir ein Bild von den ganzen Gyms in unterschiedlichen Regionen Thailands zu machen, bevor ich umziehe.

Ich habe Phuket, Bangkok und teilweise Pattaya durchkämmt und zum Jahresende geht es zum Abschluss noch in den hohen Norden, nach Chiang Mai. In Chiang Mai ist die Kämpferszene für Frauen relativ groß und von daher besonders interessant. Es wird sich also noch einiges tun.

Fazit nach fast einem Jahr Gymsuche in Thailand:

Ich sage es gleich, ohne es unnötig zu umschreiben: viele Gyms in Thailand sind Dreck. Von faulen Trainern bis zu maßloser Abzocke habe ich nahezu alles gesehen und war am Anfang schwer enttäuscht. Ich hatte es mir anders vorgestellt gehabt. Tatsächlich sind, meiner Meinung, nach ungefähr acht von zehn Gyms in Thailand schlecht. Aber dafür sind die wenigen guten Gyms erstklassig. Und vor allem auch für Privatstunden lohnt es sich definitiv, nach Thailand zu kommen. Sobald man sich erstmal durch den ganzen Dreck gekämpft hat, ist alles gut. Geduld zu haben lohnt sich auf jeden Fall.

…Inzwischen habe ich über 15 Gyms abgeklappert, bis ich überhaupt fündig geworden bin und einigermaßen zufrieden war. Zuerst hat mich meine Reise nach Phuket geführt, wo es eine einige gute Gyms bzw Trainer gibt. Aber was soll man sagen, Phuket ist und bleibt übertrieben teuer. Teilweise um die 300 Euro im Monat für Training zu zahlen muss einfach nicht sein. Diesen Preis muss man sich erstmal auf der Zunge zergehen lassen…

In Bangkok ist das Training je nachdem wo man unterwegs ist wesentlich günstiger und die Auswahl an Gyms und Trainern enorm. Es dauert, etwas gutes zu finden und es ist mit Sicherheit nicht so schön wie auf einer Insel, aber Bangkok hat viele versteckte Diamanten, wenn man sich sich scheut nach ihnen zu suchen.

 

Vollzeittraining und Training neben der Arbeit:

Vollzeittraining. Was ist das überhaupt? Vollzeittraining bedeutet in Thailand tatsächlich Vollzeittraining. VOLLZEIT. Trainiert wird zwei mal pro Tag, von Montag bis Samstags und obwohl der Sonntag eigentlich ein offizieller Ruhetag in den Camps ist, wird selbst an diesen Tagen oft locker trainiert. Ruhetage bedeuten manchmal nichts anderes außer, dass an diesen Tagen etwas ruhiger Sport gemacht wird, um aktiv zu regenerieren und sich auf das Training am Montag vorzubereiten. Training vor dem Training sozusagen.

Wirklich in Vollzeit zu trainieren bedeutet also, dass man eigentlich jeden Tag trainiert und sich selbst in der „Freizeit“ mit Muay Thai beschäftigt. Nach dem Training ist vor dem Training, denn bei so viel Training muss Regeneration bewusst eingeplant werden. Freitags lange ausgehen und trinken? Geht kaum. Oder besser gesagt: es geht schon, allerdings büßt man sofort spürbar Leistung im Training ein und kann sich schnell eine ganze Woche Training versauen, weil man zusätzlich zur Regeneration auch noch den Alkohol abbauen muss und der Körper nicht schnell genug hinterher kommt…

Zusammenfassend gesagt kann man also sagen: Wenn man in Thailand in Vollzeit trainieren will kommt an erster Stelle immer das Training und direkt im Anschluss die Regeneration. Diese Dinge sind untrennbar. Ohne die nötige Regeneration und vor allem ohne ausreichend Schlaf ist alles für die Katz. Das ist das erste mal, dass ich das so richtig zu spüren bekommen habe.

Wenn man „nebenher“ also einen Job hat, ist es von daher kaum möglich auf „Thai-Niveau“ zu trainieren. Ich habe festgestellt, dass man mit einem Job höchstens 4-5 die Woche ein mal pro Tag für maximal zwei Stunden trainieren kann ohne verrückt zu werden  – zumindest ist das zur Zeit meine persönliche Grenze. Die Balance zwischen allem zu halten, ist wirklich nicht so einfach – aber doch möglich. Mal schlechter, mal besser.. Bis ich irgendwann länger in Vollzeit trainieren kann, durch die Hilfe eines Gyms, das mich sponsert.

Übertraining und zwischen den Trainingseinheiten:

Die Zeit zwischen den Trainingseinheiten verbringt man in erster Linie damit sich bewusst auszuruhen, Verletzungen und/oder Muskelkater zu behandeln und sich sowohl körperlich als auch mental auf das nächste Training vorzubereiten. Vor allem mental. Zwei mal am Tag die fast harrgenau gleichen Dinge abzuarbeiten und Sparring, Clinch sparring zu machen, zu laufen, Seil zu springen… kann nicht nur körperlich sondern auch geistig auslaugend sein.

Es ist auf jeden Fall nötig, zwischendurch auch der Psyche was Gutes zu tun. Geht die Psyche als erstes in den Keller, folgt der Körper sofort. Ist die Psyche in Topform, kann der Körper allerdings mitunter trotz Verletzungen, trotz Muskelkater oder anderer Beschwerden immer noch folgen und gehorchen. Auch etwas, was ich auf die harte Tour gelernt habe. Übertraining ist nicht nur körperlich, sondern vor allem auch mental und es ist sehr wichtig, sich zwischen den Trainingseinheiten viel Gutes zu tun und vor allem in erster Linie der Psyche viel „heiße Schokolade“ einzuschenken.

In Thailand gibt es das Konzept „Übertraining“ nicht wirklich und den Trainern interessiert es nicht nicht die Bohne, ob man nun Muskelkater hat oder ob man 300 Sit ups schafft oder nicht. Es wird durch den Muskelkater hindurchtrainiert und dass zum Alltag eines Kämpfers ständige, leichte Schmerzen und Verletzungen dazugehören ist allgemein bekannt und teil des ganzen Prozesses. Nam man muay und die gleiche, kühlende Creme desselben Herstellers dürfen von daher in keinem Training fehlen, wenn man sich auf hardcore Training in Thailand einlässt. Zähne zusammenbeißen und immer lächeln ist die Devise. Bei den Thais funktioniert es.

Sich mit Bedigungen anzufreunden, die nie wirklich optimal sind, ist ein wichtiger Prozess und Teil davon, ein Kämpfer in Thailand zu werden.

 

             Be Muay Gym, Bangkok 2017

Pläne für die Zukunft:

Ich ziehe am 01.08. für unbestimmte Zeit nach Bangkok und habe endlich ein festes Muay Boran Gym (Be Muay, bei Kru Suphan). Ein Gym, für das ich in Bangkok kämpfen könnte UND was mir wirklich zusagt habe ich bisher allerdings noch nicht gefunden. Aber in den ersten zwei Augustwochen steht eine weitere kleine „Gymtour“ auf dem Plan, wo ich noch einige gute Gyms in Bangkok besichtigen werde. Und dann werde ich schon was finden.

Des weiteren spiele ich auch mit dem Gedanken, wieder mit etwas Karatetraining anzufangen, da Karate ein Teil von mir ist und es immer bleiben wird. Entweder Zendokai Karate oder Shinkyokushin Karate. Schon damals als ich in Deutschland mit Goju-Ryu angefangen hatte, war es eigentlich immer mein Traum Vollkontakt Karate zu lernen. Da es das in Kiel allerdings nicht gab, habe ich mich für den Anfang mit Goju-Ryu angefreundet und das soll bitte nicht falsch verstanden werden, Goju-Ryu ist großartig und viele Elemente des Goju-Ryu findet man auch im Kyokushin wieder. Es war definitiv eine gute Entscheidung. Das Goju-Ryu hat mir eine solide Grundlage für alles mögliche gegeben und nun stehen mir alle Türen weit offen.

…Was noch so auf dem Plan steht? Privattraining mit der Legende Saenchai und anderen großartigen Trainern in Bangkok, einige Gyms in Pattaya anschauen und wie gesagt zum Jahresende hoch in den Norden, um Chiang Mai und die Wettkampfszene dort oben kennen zu lernen.

Nach nun knapp einem Jahr nur unregelmäßigem Training, freue ich mich darauf, wieder einen festen Wohnort zu haben und wieder regulär jede Woche zum Training gehen zu können. Wieder jede Woche dazu zu lernen, stärker zu werden und gemeinsam mit inspirierenden Trainern und Kämpfern die Gyms vollzuschwitzen und bei hunderten von Liegestütz und Sit ups in der Hitze zu stöhnen. Des weiteren bedeutet reguläres Training auch, dass es häufiger neue Beiträge zum Thema Muay Thai und andere Kampfsportarten geben wird. Der Ball kommt also ins rollen.

Lange Rede, kurzer Sinn: Ende gut, alles gut. Nach einer langwierigen Suche und nachdem ich fast aufgegeben habe, habe ich glücklicherweise doch noch was für mich passendes gefunden. Ein Gym, in dem ich mich tatsächlich wohlfühlen kann und welches sich sogar wie kleines Stückchen zu Hause anfühlt. Ein kleines Fleckchen zu Hause inmitten einer lauten, dreckigen aber vor allem bunten Großstadt, in der um jede Ecke ein neues Abenteuer lauert.

Und zu guter Letzt…

Möchte ich hiermit einfach mal ein danke an die Yawara Kampfsportschule in Kiel aussprechen. Und insbesondere auch an meine Lehrer Dennis Arnold und Bärbel Lösking. Ihr habt mir alles was ich für das Leben brauche mitgegeben und noch viel mehr. Ein Hoch auf euch, ein Hoch darauf, dass ich nie gezögert habe meinen Fuß auf eure Türschwelle zu setzen und ein Hoch auf die Kampfkunst die mein Leben immer wieder aufs Neue revolutioniert.

 

 

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